The Legacy

    Derek war in Racheis Zimmer gegangen. Rachel wälzte sich unter der Steppdecke, unter der sich ihr Bauch bereits hoch wölbte. Derek versuchte, beruhigend auf sie einzureden: "Keine Angst. Ich bin ja bei Ihnen."
"Mir - mir ist so heiß."
Er fühlte ihre glühende Stirn: "Ich werde Ihnen etwas Eis besorgen."
    Er ging, doch in dem Moment, als er zurückkam, sah er, wie eine unsichtbare Kraft die Tür zuschlug. Er versuchte sich dazwischen zu quetschen, und dabei wurde sein linker Arm eingeklemmt. Hilf- und tatenlos, mit schmerzverzerrtem Gesicht, mußte er zusehen, wie sich der Dämonenbalg aus dem Körper der Frau heraus einen Weg in die Freiheit bahnte. Racheis Hände klammerten sich an die Bettpfosten, während draußen ein Blitz zuckte und ihr vom Schmerz gezeichnetes Gesicht grell beleuchtete. Als es Derek gelang, seinen Arm herauszuwinden, schlug die Tür vor seiner Nase zu.
    Drinnen im Zimmer sahen alsbald, noch mit einer Nabelschnur der Mutter verbunden, die Augen des Fleisch gewordenen Dämons in die Welt. Die unsichtbare Kraft hatte Rachel vom Bett geschleudert. In ihrer Not griff sie eine Schere und stach in die Nabelschnur. Dann lag sie bewußtlos auf dem Boden.
    Das Baby aber - das Baby übersprang in Windeseile das Wachstum der ersten Lebensjahre und wurde ein Junge, der Rachel aus ihrer tiefen Ohnmacht rüttelte: "Mama?" Rachel erwachte aus ihrer Bewußtlosigkeit und sah - Connor, so wie er gewesen war, als er von ihr gegangen war.
    Vor der Tür schrie Derek. Da merkte er, wie eine geisterhafte Aura aus den Türritzen nach außen drang. Er folgte der unsichtbaren Kraft, die ihn in die Bibliothek führte, die Wendeltreppe hinauf - um sich dort in Winston zu materialisieren. Derek schüttelte den Kopf, als wolle er die unheimliche Vision abschütteln: "Nein, du bist nicht mein Vater."
    "Nein?" fragte Winstons Abbild süffisant. "Dasselbe Gesicht, dieselbe Stimme ...?" Er ging auf Derek zu. "Du hast keine Gewalt über mich", bedeckte der sein Angesicht. "Ich negiere dich."
    "Du wünschst mir ein zweites Mal den Tod? Willst den Vatermord wiederholen? So denk' doch nur an die Macht, die ich dir biete. Zusammen könnten wir die Welt aushebeln, wir beide", versuchte der Dämon Derek wie der Teufel Jesus in der Wüste: Und der Versucher trat zu ihm und führte ihn auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: "Weiche von mir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen."
    "Weiche von mir, Satan!" wiederholte Derek die Worte. "Mit dir will ich nichts zu schaffen haben. Mich karinst du nicht täuschen."
"Nein? Warum weist du deinen Vater so ab, Derek, Sohn? Ich habe mich so selten um dich kümmern können, da hab' ich dir ein Geschenk mitgebracht. Sieh doch mal, was ich dir anzubieten habe. Jahrelang, ja, viele Jahre haben wir auf der falschen Seite gekämpft."
"Das ist eine Lüge."
"Dies hier wäre nicht das erste Haus der Legaten, das sich mit der anderen Seite verbündet und ihre Führungsposition anerkennt. Ich jedenfalls habe dies getan."
"Nein. Mein Vater hätte so etwas nie getan. Er war ein großer, bedeutender, edelmütiger Mann."
"Öffne deinem Vater das Tor, Sohn."
"Niemals."
"Zusammen können wir das ewige Licht leuchten lassen. Das und nichts anderes heißt es, das Rechte zu tun. Glaub' mir."
"Nein."
"Nur so kannst du deine Schuld sühnen. Denn du hast mich im Stich gelassen, damals, in jener Höhle hoch in den Anden."
"Ich habe meinen Vater nicht im Stich gelassen. Dich aber werde ich bekämpfen bis zu meinem letzten Atemzug."
"Deinen eigenen Vater? Gib mir den Schlüssel, Derek."
"Nein."
"Verbünde dich mit deinem Vater. Tritt ein in die Herrlichkeit des Dunkeln."
"Du bist nicht mein Vater." Eine schnürende Beklemmung engte seine Brust ein, sein Kopf hämmerte, und er riß mit einer schnellen Bewegung ein geschliffenes Schwert von der Wand.
Der Geist versuchte, sich ihm zu nahem, aber mit einem Schrei der Verzweiflung durchbohrte ihn Derek. Fassungslos sah er, was er getan hatte. Das Schuldgefühl von damals, seinem Vater nicht geholfen zu haben, ergriff ihn wieder, als ein Tropfen Blut aus Winstons Mund rann. "Vergib mir", flehte Derek.
"Dir - ist - vergeben", stöhnte Winston und wog triumphierend einen Schlüssel in der Hand. Erschrocken langte Derek an seine Brust. Der Schlüssel war nicht mehr dort. Der Geist, der ihn zum Narren gehalten hatte, war verschwunden. Und die Türen der Bibliothek schlössen ihn ein wie ein Gefängnis.

Zurück