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Alex
saß im Kontrollraum am Bildschirm. Sie hatte interessante Neuigkeiten
für Derek und ließ auf dem Monitor
ein Schmuckstück erscheinen, einen Skarabäus, der an
einer Kette befestigt war: "Das ist der Nefasti-Skarabäus.
Er wurde zwei Tage, bevor Clay wieder nach San
Francisco flog, aus einem Museum in Ankara gestohlen."
Dann zauberte sie einen Ring auf den Bildschirm: "Der
Lapislazuli-Skarabäusring. Mit ihm verbunden ist die
Legende von Murtasis dem Eroberer, der erst, nachdem er
das Methusalem-Rekordalter von 432 Jahren erreicht hatte,
das Zeitliche segnete. Um dieses Ziel zu erreichen, soll er
die Hälfte seiner Untertanen hingeschlachtet haben. In der
Legende heißt es: Der, welcher den Ring trägt, ist die
Quelle von Leben. Der, welcher den Anhänger hat, wird
aus dieser Quelle das Leben trinken."
"Waren beide Teile, Ring und Anhänger, in dem Museum?"
"Ja." Alex rief die englische Ausgabe einer türkischen
Zeitung ab. "Am Tag nach dem Einbruch wurde in Ankara
eine völlig ausgezehrte Leiche gefunden, mit denselben
Pulverisierungssymptomen, wie bei dem Halbwüchsigen.
Doch als die Polizei kam, war die Leiche verschwunden."
Da kam Rachel mit einem Zettel, den Nick zurückgelassen
hatte: "Er ist mit Samantha zum Hausboot."
Dereks Gesicht drückte Sorge aus: "Das Hausboot ... Und
Clay ist auch nicht zurückgekommen ... Ich muß so
schnell wie möglich hin."
Samantha und Nick erreichten das Boot mit ausreichend
Verpflegung für eine halbe Kompanie: Croissants, Käse,
Baguettes, Schinken, Braten. "Das sollte bis zum
Mittagessen reichen", schmunzelte Nick. Als sie die Planke
überquerten, sahen sie eine Gestalt ausgestreckt auf dem
Deck liegen. Samantha rannte sofort hinüber.
Es war ihr Vater. Nick half ihm auf die Beine: "Wir bringen
ihn rein."
Clays Augen waren blutunterlaufen, sein Geist umnachtet.
Es brauchte eine Weile, bis er zu sich kam. Zitternd griffen
seine Hände den Kaffee, den ihm die beiden servierten.
"Ich kann nicht mehr, Sam, ich kann das nicht weiter tun.
Du weißt, wie sehr ich dich liebe, aber trotzdem kann ich
nicht weiter."
Nick sah ihn an: "Was - was können Sie nicht weiter tun,
Professor Wallis?"
"Nichts. Es ist nichts", unterbrach Samantha und warf
ihrem Vater einen strafenden Blick zu. "Er weiß nicht,
wovon er redet."
Clay raffte sich auf: "Ich weiß sehr wohl, wovon ich rede.
Noch bin ich so weit bei Sinnen, um zu wissen, was du von
mir erwartest." Er warf Nick einen verstörten Blick zu, aus
dem Scham und Verzweiflung sprachen.
"Nick, er ist im Delirium. Du darfst nicht auf ihn hören. Er
redet wirr."
Clay schüttelte traurig den Kopf. Seine Augen waren
feucht. Samantha bedeutete Nick, beiseite zu treten, damit
sie allein mit ihrem Vater sprechen könne, und trocknete
die Tränen des Professors mit einer Serviette.
"Was - was habe ich nur getan?" schluchzte Clay.
"Hast du den Ring dabei?" flüsterte ihm Samantha, die sich
neben ihn gekniet hatte, geschäftig ins Ohr.
"Natürlich habe ich ihn. Gott schütze mich."
"Du bist weit von jedem göttlichen Schutz entfernt", spöttelte etwas,
das von der Seele seiner Tochter Besitz ergriffen hatte.
Clay brach jetzt völlig zusammen: "Ja, ich weiß. Auf mich
wartet nur noch die Verdammnis. Was ich aus Liebe zu
meiner Tochter getan habe, hat mich in ein Domenlabyrinth verstrickt,
das jetzt meine Seele zerreißt."
"Wenn du das begriffen hast, Dad, dann solltest du weiter
logisch handeln und dich nicht von irgendwelchen
Gefühlsduseleien ablenken lassen. Am besten, du gibst mir
den Ring, und zwar sofort."
Clay wehrte sich entsetzt.
"Bitte, Daddy, bitte ... du mußt ihn mir geben", forderte
Samantha.
Clay wollte standhaft bleiben, aber er schien
keinen eigenen Willen mehr zu besitzen. Zitternd zog er den Ring aus
der Tasche, den blauen Skarabäus. Als sie ihn nehmen
wollte, spürte sie Nicks Hand auf ihrer Schulter: die Linke,
die mit dem Ringfinger.
Doch da stand schon Derek in der Tür und erfaßte
blitzschnell die Situation: "Nick, nein! Geh weg von ihr!"
Aber es war zu spät. Samantha war herumgewirbelt und
hatte Nick den Ring an den Finger gesteckt. Im selben
Augenblick erwachte der Skarabäus zum Leben und setzte
seine Mandibeln in Bewegung. Nick machte ein schmerzverzerrtes
Gesicht und versuchte, den Ring abzustreifen,
aber der hatte sich fest um seinen Ringfinger geschlossen
und begann ihn auszubluten. Samantha berührte ihren
pulsierenden Anhänger, in Erwartung der Lebensenergie, die
ihr der Skarabäus aus Nicks jungem, starkem Körper saugen würde.
"Clay", schrie Derek, "du mußt diesem Spuk ein Ende
machen!"
"Ich kann nicht", jammerte der müde. "Sam ist - meine
Tochter."
"Das da ist nicht mehr deine Tochter! Samantha, unsere
Samantha, ist tot. Und Nick muß sterben, weil du das nicht
wahrhaben willst. Nur du kannst den Anhänger von ihrem
Hals nehmen, Clay. Um Gottes willen, du mußt es tun."
Clay sah verstört auf Nick, dessen Arm erste Anzeichen
einer Petrifikation zeigte und langsam zu welken begann.
Dann fiel sein Blick auf die junge Frau, die seine Tochter
gewesen und die ihm jetzt so fremd geworden war. Mit
einem Ruck sprang er auf. "Nein!" schrie Samantha und
umklammerte abwehrend die Hand ihres Vaters. "Rühr'
mich nicht an!"
"Sieh dich doch nur um", drang Clay in sie oder in den
Rest, der von ihrem alten Ich geblieben war. "Wir waren so
glücklich auf diesem Hausboot, bevor Mutter starb. So
glücklich. Hast du das alles vergessen?" Seine Finger
schlössen sich um die Kette, und da trat eine überraschende
Metamorphose ein: Aus ihrem Gesicht wich die dämonische Besessenheit.
"Bitte, Daddy. Du darfst mich nicht sterben lassen", flehte
ihre Stimme brüchig, aber ihre allmählich heimkehrende
Seele wußte, daß dieser Wunsch vergebens war.
"Ich liebe dich. Ich würde alles für dein Leben geben",
versicherte Clay und riß die Kette von ihrem schlanken Hals.
"Aber das war kein Leben mehr, nicht mehr dein Leben!"
Die Kette landete vor Dereks Füßen.
Aus Samanthas Kehle drang ein schriller Laut, als der
Legat den Skarabäus zertrat. Nur noch ein breiiges Etwas
blieb von ihm, und der Ring ließ ab von Nicks Finger,
kullerte auf den Boden und zerfiel zu blauem Sand.
Clay hielt seine Tochter in den Armen: "Es tut mir so leid,
daß ich dir so viel Schmerz bereitet habe."
Samantha lächelte sterbend: "Dad ... es tut gar nicht mehr
weh. Schmerz ist nur eine Wolke, die sich einen Moment
vor die Sonne geschoben hat. Ich werde meinen Frieden
haben: Meine Sonne scheint wieder - in deiner Erinnerung."
Ihre Augen schweiften durch das Hausboot und
zurück auf ihren Vater, dessen Sühne nun begann.
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