Fox Spirit

    Mei-Ling zog sich ins Gastezimmer zuruck und las noch ein Buch. Aber sie war unruhig. Unruhig, bis es an der Tür klopfte.
"Darf ich hereinkommen?" Es war Dereks Stimme.
"Natürlich. " Ihr Herz schien vor Freude zu hüpfen.
"Hast du es auch bequem?" erschien Derek in der Tür.
"Sehr bequem. Das ganze Haus ist sehr anheimelnd und
gemütlich." Mei-Ling richtete sich auf ihrer Couch auf und lud Derek ein, sich zum Plausch neben sie zu setzen. "Nun, was fangen wir mit dem angebrochenen Abend an?" säuselte sie, und ihre Augen sahen verträumt zu dem Schwärm ihrer Mädchenjahre auf.
'Ich hab' gerade überlegt - das Habitat des Geistes ..."
'Müssen Sie immer nur an Ihre Arbeit denken?" fragte sie enttäuscht.
    Derek zuckte nur verlegen die Achseln. Dabei dachte er oft genug an Mei-Ling und ihre neuen Reize.
"Als ich noch ein kleines Mädchen war und Ihnen und Großvater zusah, dachte ich immer: Warum schenkt mir dieser Mann nicht mehr Aufmerksamkeit?" Sie seufzte:
"Ich sehe, es hat sich nicht viel daran geändert. Kann ich Ihnen helfen, Doktor Rayne?"
"Derek."
"Derek." Mei-Ling rückte in seine Richtung, und die Kissen gaben ihre unbedeckte Schulter frei. Derek warf einen verschämten Blick darauf: "Diese Behausung und die Speisereste, die Nick und ich in der Allee gefunden haben. Sollte der Geist da leben, dann erscheint mir das recht ungewöhnlich."
    "Nicht für einen chinesischen Geist. Sehen Sie" - sie öffnete sacht seinen obersten Hemdknopf- "siehst du, Derek, chinesische Geister unterscheiden sich kulturell erheblich von denen der westlichen Hemisphäre."
"Natürlich."
    "Chinesische Familienbande sind sehr eng im Leben ..."
Sie schmiegte sich an Derek, der es geschehen ließ: "Und diese enge Bindung besteht auch nach dem Tode fort. Geister verbleiben häufig im Kreis der Familie. Sie nehmen ihre gewohnten Mahlzeiten ein." Sie fuhr mit der Zungenspitze über seinen Hals. "Schlafen in ihren angestammten Betten." Sie küßte ihn auf die Wange. "Es heißt sogar, sie ... " Mei-Ling flüsterte Derek lachend ins Ohr.
"Ist das wahr?"
"O ja!"
    Sie küßten sich. Die Kissen, die Mei-Ling gegen ihren Rücken gelehnt hatte, fielen herunter. Ihre Arme schlangen sich um Derek wie um einen lange entbehrten Schatz.
"Aber einige Geister gehen doch schon sehr lange um. Wie wirkt sich das aus, wenn ein Geist mehrere hundert Jahre alt ist? Dann - dann funktioniert es doch nicht mehr, oder?" Er flüsterte Mei-Ling etwas ins Ohr.
    "Jetz gib aber endlich Ruhe, Doktor Rayne!" Sie biß ihn ins Ohrläppchen und löschte das Licht.

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